Samstag, 16. Februar 2013

Interview Ralf Ziervogel. Meine größte Inspirationsquelle ist die Unschärfe Ein Interview mit dem Künstler Ralf Ziervogel in seiner Berliner Wohnung zu Wagnis, Stil, Absurdität, dem veralteten Galerie-Konzept sowie zu seinem neuesten Werk.


Ralf ZiervogelRalf-Ziervogel-Kunst-Berlin

Ralf Ziervogel bewohnt den 11. Stock eines jener martialisch anmutenden Gebäude an der Karl-Marx-Allee in Berlin. Der Künstler begrüßt mich freundlich zuvorkommend. Der Mantel darf auf dem Canapé verweilen und es geht in die Wohnküche mit langer Fensterwand zum schwarzen Kaffee. Vielleicht könnte man behaupten, die Wohnung sei spartanisch eingerichtet. Ich frage, ob er mit Videoarbeiten seine kreative Laufbahn begonnen habe, und er vergleicht diesen Prozess mit seiner Inneneinrichtung.
Ich würde nicht sagen, dass es minimalistisch eingerichtet ist. Es sieht viel mehr so aus, als sei ich gestern eingezogen und könnte morgen wieder ausziehen. Nicht so ne eklizistische Mönchshaltung sondern auf einer komischen anderen Ebene.
Mit den Videos wollte ich eine Entmaterialisierung ausprobieren: ab wann wird die Verfilmung zur Performance, ab wann ist sie Videokunst, ab wann wird sie zum Film, ab wann wird es schmierig, ab wann wird es Trash. Mit Abstand betrachtet glaube ich aber, dass dies relativ erfolglos zu Ende gegangen ist.
Ralf Ziervogel ist berüchtigt für seine gewagte Herangehensweise mit der Kunst entstehen lässt. So zeichnet er unzensiert und ohne Vorlage.
Ich war schon immer süchtig danach, so schnell wie möglich zu arbeiten, eine Idee so schnell wie möglich umsetzen. Aber dann schleicht sich der Prozess mit ein. So einfach lässt sich keine komische Idee auf Papier oder in ein Video bringen. Aber mich interessiert die Vorarbeit nicht. Dabei kommen bestimmt noch schöne andere Sachen raus, aber das hat mich noch nie gereizt.
Wie würdest du deinen Stil denn bezeichnen?
Weiß nicht, ich würde das offen halten. Ich finde es gerade schön, dass da Fallen drin sind. Die Einen fragen: „Bist du Illustrator?“ Die anderen „Machst du Comics?“ Ich mag das, weil es ja ein beabsichtigtes Stilmittel ist.
Und du möchtest dich lösen von diesen Bezeichnungen? Eben nicht ein Genre bedienen?
Der Antrieb, die nächste Zeichnung zu machen, ist genau das, was meine Zeichnungen ausmacht.
Wenn ich zum Beispiel eine Skulptur sehe, die etwas Absurdes generieren soll, finde ich sie einfach total banal. Die Reduktion des Vernünftigen ist doch banal und nicht absurd. Genauso banal wie der Tenor: „Ich mach jetzt mal was total crazymäßiges!“
 Künstler-Berlinralf-ziervogel
Ralf Ziervogel zeigt mir eine Bildfolge, die mit den Worten beginnt: „if you read this“ und mit den Worten „your second child will die of cancer“ endet.
Was hast du dir bei dieser Arbeit gedacht?

Ihr sascha klupp berlin

Zur Quelle:

http://www.artberlin.de/kuenstler/ralf-ziervogel-berlin/


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