Samstag, 16. Februar 2013

Galerieführer Berlin: AJLART


          Galerieführer Berlin 

AJLART

Mit AJLart präsentierten Anna Jill Lüpertz und Sophie Weiser eine der ungewöhnlichsten Galerien in Berlin. In temporären Ausstellungsräumen begegnen sich Kunst, Künstler und Kunstszene.
AJLart

Adresse

Alt-Moabit 130, 10557 Berlin

Telefon

+49 30 39 80 08 25

Öffnungszeiten

Fr & Sa 14-18 Uhr und nach Vereinbarung

Email

info@ajlart.com

Lagebeschreibung

AJLart ist eine nomadische Galerie und bespielt ständig wechselnde temporäre Ausstellungsräume in Berlin. Die Ausstellungskonzepte richten sich an die lokalen, urbanen Gegebenheiten.

Webpage

Ajlart.com

GALERIE INFO ZU AJLART

Unter dem Label AJLart bündelt die Berliner Galeristin Anna Jill Lüpertz seit 2010 nach leitenden Funktionen in den Galerien Michael Werner Köln/NY, Julius Werner und Crone ihre Tätigkeiten als Kuratorin, Leiterin eines Projektraumes, Kunstberaterin und Kunsthändlerin. Seit Mai 2011 wird sie dabei von Sophie Weiser unterstützt. Mit AJLart präsentieren die beiden die Antwort auf die sich rasch wandelnden Bedürfnisse von Künstlern und Kunstfreunden in Berlin: temporär und kontextbetont inszenieren die Gallerstinnen Ausstellungen an wechselnden Standorten und Räumen in Berlin. Das Spektrum reicht von Installation, Fotografie, Video bis zur Zeichnung.
Lüpertz und Weiser erklären:
AJLart ist eine Galerie, die nicht physisch vorhanden ist, sondern als geistiges Gebäude existiert. In diesem geistigen Gebäude gibt es reale Räume, die sowohl auf Dauer als auch temporär genutzt werden. Wir wählen diese realen Räume, da sie bestimmte Stimmungen evozieren, wenn man sie betritt. Verschiedene Kunstwerke brauchen verschiedene Stimmungen. Kunst soll sich nicht an bestimmte Räume anpassen müssen – es geht vielmehr darum für die Kunst die richtigen Räume zu finden.
AJLART

KÜNSTLER

  • Olaf Hajek
  • Björn Wallbaum
  • Maria Gimenez
  • Christine Rusche
  • Will Kempkes
  • Steff Loewenbaum
  • Daniel Kannenberg
  • Pia Dehne
  • Maryna Baranovska
  • Pietro Sanguineti







Zur Quelle:

KUNSTRICHTUNGEN & MEDIEN

  • Malerei
  • Fotografie
  • Skulptur
  • Installation


















Interview Ralf Ziervogel. Meine größte Inspirationsquelle ist die Unschärfe Ein Interview mit dem Künstler Ralf Ziervogel in seiner Berliner Wohnung zu Wagnis, Stil, Absurdität, dem veralteten Galerie-Konzept sowie zu seinem neuesten Werk.


Ralf ZiervogelRalf-Ziervogel-Kunst-Berlin

Ralf Ziervogel bewohnt den 11. Stock eines jener martialisch anmutenden Gebäude an der Karl-Marx-Allee in Berlin. Der Künstler begrüßt mich freundlich zuvorkommend. Der Mantel darf auf dem Canapé verweilen und es geht in die Wohnküche mit langer Fensterwand zum schwarzen Kaffee. Vielleicht könnte man behaupten, die Wohnung sei spartanisch eingerichtet. Ich frage, ob er mit Videoarbeiten seine kreative Laufbahn begonnen habe, und er vergleicht diesen Prozess mit seiner Inneneinrichtung.
Ich würde nicht sagen, dass es minimalistisch eingerichtet ist. Es sieht viel mehr so aus, als sei ich gestern eingezogen und könnte morgen wieder ausziehen. Nicht so ne eklizistische Mönchshaltung sondern auf einer komischen anderen Ebene.
Mit den Videos wollte ich eine Entmaterialisierung ausprobieren: ab wann wird die Verfilmung zur Performance, ab wann ist sie Videokunst, ab wann wird sie zum Film, ab wann wird es schmierig, ab wann wird es Trash. Mit Abstand betrachtet glaube ich aber, dass dies relativ erfolglos zu Ende gegangen ist.
Ralf Ziervogel ist berüchtigt für seine gewagte Herangehensweise mit der Kunst entstehen lässt. So zeichnet er unzensiert und ohne Vorlage.
Ich war schon immer süchtig danach, so schnell wie möglich zu arbeiten, eine Idee so schnell wie möglich umsetzen. Aber dann schleicht sich der Prozess mit ein. So einfach lässt sich keine komische Idee auf Papier oder in ein Video bringen. Aber mich interessiert die Vorarbeit nicht. Dabei kommen bestimmt noch schöne andere Sachen raus, aber das hat mich noch nie gereizt.
Wie würdest du deinen Stil denn bezeichnen?
Weiß nicht, ich würde das offen halten. Ich finde es gerade schön, dass da Fallen drin sind. Die Einen fragen: „Bist du Illustrator?“ Die anderen „Machst du Comics?“ Ich mag das, weil es ja ein beabsichtigtes Stilmittel ist.
Und du möchtest dich lösen von diesen Bezeichnungen? Eben nicht ein Genre bedienen?
Der Antrieb, die nächste Zeichnung zu machen, ist genau das, was meine Zeichnungen ausmacht.
Wenn ich zum Beispiel eine Skulptur sehe, die etwas Absurdes generieren soll, finde ich sie einfach total banal. Die Reduktion des Vernünftigen ist doch banal und nicht absurd. Genauso banal wie der Tenor: „Ich mach jetzt mal was total crazymäßiges!“
 Künstler-Berlinralf-ziervogel
Ralf Ziervogel zeigt mir eine Bildfolge, die mit den Worten beginnt: „if you read this“ und mit den Worten „your second child will die of cancer“ endet.
Was hast du dir bei dieser Arbeit gedacht?

Ihr sascha klupp berlin

Zur Quelle:

http://www.artberlin.de/kuenstler/ralf-ziervogel-berlin/


Mittwoch, 6. Februar 2013

Berlin ist so wunderschön

Sascha Klupp in Berlin

Ein tolles Buch und sehr empfehlenswert;-)

Tom Ford eine Legende

RALF ZIERVOGEL. MEINE GRÖSSTE INSPIRATIONSQUELLE IST DIE UNSCHÄRFE

Ralf Ziervogel
Ralf Ziervogel

INTERVIEW 

RALF ZIERVOGEL. MEINE GRÖSSTE INSPIRATIONSQUELLE IST DIE UNSCHÄRFE

Ein Interview mit dem Künstler Ralf Ziervogel in seiner Berliner Wohnung zu Wagnis, Stil, Absurdität, dem veralteten Galerie-Konzept sowie zu seinem neuesten Werk.
Ralf-Ziervogel-Kunst-Berlin
Ralf Ziervogel bewohnt den 11. Stock eines jener martialisch anmutenden Gebäude an der Karl-Marx-Allee in Berlin. Der Künstler begrüßt mich freundlich zuvorkommend. Der Mantel darf auf dem Canapé verweilen und es geht in die Wohnküche mit langer Fensterwand zum schwarzen Kaffee. Vielleicht könnte man behaupten, die Wohnung sei spartanisch eingerichtet. Ich frage, ob er mit Videoarbeiten seine kreative Laufbahn begonnen habe, und er vergleicht diesen Prozess mit seiner Inneneinrichtung.
Ich würde nicht sagen, dass es minimalistisch eingerichtet ist. Es sieht viel mehr so aus, als sei ich gestern eingezogen und könnte morgen wieder ausziehen. Nicht so ne eklizistische Mönchshaltung sondern auf einer komischen anderen Ebene.
Mit den Videos wollte ich eine Entmaterialisierung ausprobieren: ab wann wird die Verfilmung zur Performance, ab wann ist sie Videokunst, ab wann wird sie zum Film, ab wann wird es schmierig, ab wann wird es Trash. Mit Abstand betrachtet glaube ich aber, dass dies relativ erfolglos zu Ende gegangen ist.
Ralf Ziervogel ist berüchtigt für seine gewagte Herangehensweise mit der Kunst entstehen lässt. So zeichnet er unzensiert und ohne Vorlage.
Ich war schon immer süchtig danach, so schnell wie möglich zu arbeiten, eine Idee so schnell wie möglich umsetzen. Aber dann schleicht sich der Prozess mit ein. So einfach lässt sich keine komische Idee auf Papier oder in ein Video bringen. Aber mich interessiert die Vorarbeit nicht. Dabei kommen bestimmt noch schöne andere Sachen raus, aber das hat mich noch nie gereizt.
Wie würdest du deinen Stil denn bezeichnen?
Weiß nicht, ich würde das offen halten. Ich finde es gerade schön, dass da Fallen drin sind. Die Einen fragen: „Bist du Illustrator?“ Die anderen „Machst du Comics?“ Ich mag das, weil es ja ein beabsichtigtes Stilmittel ist.
Und du möchtest dich lösen von diesen Bezeichnungen? Eben nicht ein Genre bedienen?
Der Antrieb, die nächste Zeichnung zu machen, ist genau das, was meine Zeichnungen ausmacht.
Wenn ich zum Beispiel eine Skulptur sehe, die etwas Absurdes generieren soll, finde ich sie einfach total banal. Die Reduktion des Vernünftigen ist doch banal und nicht absurd. Genauso banal wie der Tenor: „Ich mach jetzt mal was total crazymäßiges!“
 Künstler-Berlinralf-ziervogel
Ralf Ziervogel zeigt mir eine Bildfolge, die mit den Worten beginnt: „if you read this“ und mit den Worten „your second child will die of cancer“ endet.
Was hast du dir bei dieser Arbeit gedacht?
Ich habe mich gefragt, woraus sich eigentlich Worte und Buchstaben bilden. Für mich ist das ein Ritual zwischen Festschreibung und Abstraktion. Für uns ist ein b ein b. Es denkt ja keine Sau darüber nach, woher es eigentlich kommt und warum es ein b ist.
Ich habe Worte und Zeichen dekonstruiert, indem ich das Alphabet genommen und innerhalb dieses Systems eine Zeichenreihe gesetzt habe. Ganz filigran in Versalien geschrieben. Auf dem ersten Blatt stand: a + b + z. Wie so eine bescheuerte Formel. Auf dem nächsten a + b + c + z. Bis sich das Alphabet komplettiert hat. Und zwischendurch gab es diesen Satz: „Wenn du das liest, stirbt dein zweites Kind an Krebs.“ Das zieht sich weiter, aber ohne dass wie in einem Roman der Moment kommt: „Ach, jetzt hab ich’s erkannt!“
Ich hab die Zeichnung in Zeilensprüngen, wie auf einem großen Notenblatt, in Strichmännchen übersetzt. Davon gab es dann zehn Stück. Es sieht aus wie Klingonenschrift.
Kann es  sein, dass du damit bei manchen Menschen aneckst?
Nein, weil es durch eine klare Absicht funktioniert, aber auch grenzwertig sein darf. Ich habe selber zwei Kinder. Es ist ja nicht so, dass ich einen Satz hinschreibe, der mich selbst nicht betrifft.
ziervogel

RALF ZIERVOGEL: MEINE GRÖßTE INSPIRATION IST DIE UNSCHÄRFE

Was beeinflusst dich, was sind deine Inspirationsquellen?
Ganz entscheidend ist meine Herkunft: Clausthal-Zellerfeld liegt im Harz und zwar im Teil von Niedersachsen. Im Grunde lag damit die Grenze vor uns. Das war schon so‘n kleines Absurdum. Aber ich war ehrlich gesagt dankbar. Es war wie eine psychische Grenze, die dann auch noch physisch gemacht wurde. 
Meine größte Inspirationsquelle aber ist die Unschärfe. Die Tatsache, dass das alles so nicht stimmt wie wir es behaupten. Zum Beispiel stimmt die Sprache der Mathematik zu 33% nicht. Jede Verschwörungstheorie ist daneben, wir sitzen hier und die Welt ist immer noch nicht untergegangen. 
Ralf Ziervogel freut sich, dass ich Tabak dabei habe und über meine Drehkunst. Dann erklärt er mir akribisch, wie das Material, das er verwendet sein Schaffen prägt.
Das Material ist bestimmend. Und zwar nicht nur durch seine Materialität, sondern auch durch die Unschärfe, die durch die Begrenztheit des Materials entsteht. Sie führt zu einer Kategorisierung. Die Kategorisierung führt zur Einteilung und die Einteilung zur Schublade. Deswegen versuche ich meine Werke zu entmaterialisieren. Meine Zutaten sind eigentlich so einfach, dass man sie leicht nachvollziehen kann. Man ist schnell drin, kann es schnell wieder ablegen.
Ziervogel-KünstlerRalf-Ziervogel-Kubus

DER NEUE RALF ZIERVOGEL KUBUS AUF DEM TEMPELHOFER FELD

Ralf Ziervogel hat gerade sein erstes und vorerst letztes Modell für einen Kubus fertig gestellt, der hundert Meter Länge, Tiefe und Höhe misst. Der Kubus ist keine Skulptur, oder Architektur, sondern ein „Mischding“, sagt Ralf Ziervogel. Entworfen hat er ihn in Zusammenarbeit mit Statikern (Schlaich Bergermann und Partner) und Architekten (David Chipperfield Architects). Der Kubus nun soll in Lebensgröße auf dem Tempelhofer Feld aufgestellt werden. 
Im Moment sucht das Team Sponsoren für die zirka 40 Millionen Euro, die der Bau inklusive Rückbau kosten soll.
Ralf, warum das Tempelhofer Feld? Was soll der Kubus dort?
Man kann einen Ort, der einen historischen Rahmen hat, gar nicht mehr entwerten, nur weil man da etwas Neues macht. Ein Paket, das auf dem Tempelhofer Feld landet, ist schon viel zu eindeutig. Die Assoziation Luftbrücke –  die nimmt man gerne an. Wenn der Kubus unvermittelt auf dem Tempelhofer Feld steht, dann bedient er genau das Cliché: Paket gelandet.
Ralf-Ziervogel-berlin

DER KUNSTMARKT FUNKTIONIERT SO NICHT MEHR

Wo stehst du im Moment in deinem Leben und mit deinen Arbeiten?
Ich versuche gerade das Außen neu zu strukturieren.
Dabei frage ich mich zum Beispiel wie ich mich über Wasser halten kann mit unverkäuflichen Wandzeichnungen. Im Moment kann ich gar nicht so genau definieren wo es hingehen wird. Ich will mich auflösen, aber auch behaupten. Ich will eine neue Sprache entwickeln, um mit den Leuten wieder ins Gespräch zu kommen. Ich verhalte mich manchmal viel zu asozial.
Dem Kunstmarkt und seinen Mechanismen steht Ralf Ziervogel äußerst kritisch gegenüber. Er denkt laut über geeignete Alternativen nach.
Ich würde gern eine Form etablieren, zu der man Leute einladen kann, um konzentriert über Kunst zu sprechen. Ich glaube nicht mehr an das Prinzip der Galerie. Für mich ist sie einfach nur noch ein Provider für Bilder. Abgeschlossene Arbeiten, irgendwo reinstopft. Der Kunstmarkt funktioniert immer noch in diesen komischen gefestigten Mechanismen, als eine hierarchische Bewegung, die den Austausch untereinander unmöglich macht.
Ich wünsche mir mehr Diskussionen, einfach mal wieder Rumspinnen, weg von der züchtigen Sprache in der Kunstwelt.
Interview: Janina Henkes // Fotos: Winfried VeilARTBERLIN PORTRAITIERT BERLINER KÜNSTLER IN IHREN WOHN-/ LEBENS- UND ARBEITSRÄUMEN


Zur Quelle:

Ihr Sascha Klupp