Dienstag, 29. Januar 2013

BIBLIOTHECA HERTZIANA ROM

Der schwebende Bau
Mit Licht gebaut: Blick in den Innenhof der Bibliotheca Hertziana (Foto: Andreas Muhs/© Max-Planck-Gesellschaft)

DER SCHWEBENDE BAU

Die Bibliotheca Hertziana in Rom, eine der international angesehensten Forschungseinrichtungen für Kunstgeschichte, ist durch einen spektakulären Neubau erweitert worden, berichtetart-Italien-Korrespondentin Ute Diehl
// UTE DIEHL
Es war kein kleiner Umzug: Rechtzeitig zum 100. Geburtstag und der offiziellen Einweihung des Neubaus kehrten vor wenigen Tagen 270 000 Bücher in die Regale der Bibliothek im Herzen Roms zurück.


Die Bibliotheca Hertzina ist eine der angesehensten Forschungseinrichtungen für Kunstgeschichte weltweit. Durchflutet vom mal goldenen, mal blauen und mal düster-grauen Licht des Himmels, bietet ihr Neubau einige Besonderheiten: Er ist von außen nicht zu sehen.
Da die Fassaden der beiden Palazzi, in denen die Bibliotheca untergebracht ist, erhalten werden mussten, kann man den neuen Prestigebau Roms von der Straße aus nicht mal erahnen. Vor 18 Jahren rief die Bibliotheca Hertziana einen Architekturwettbewerb aus. Keine leichte Aufgabe, galt es doch, aus statischen und brandschutztechnischen Gründen einen neuen Bibliothekstrakt in die historische Bausubstanz einzufügen. Die eingereichten Pläne des spanischen Architekten Juan Navarro Baldeweg überzeugten. "Ich konnte mich seitlich nicht ausdehnen und auch nicht in die Höhe gehen", sagt Baldeweg, "also holte ich das Licht vom Himmel her in die Gebäudemitte". Der spanische Architekt entwarf einen trichterförmigen Lichthof, um den sich die galerieartig zurückspringenden Lese-und Büchergeschosse nach oben staffeln. "La luz es materia", sagt er. Das Licht ist formender Teil der Architektur. Es fällt von oben – verstärkt durch eine schräge weiße Wand im Innenhof – hinunter bis in die erste Etage des 20 Meter tiefen fünfstöckigen Gebäudes.
Für die Ausführung und Bauleitung verantwortlich war Baldewegs römischer Kollege Enrico Da Gai. Nicht nur, dass er logistisch herausgefordert war – auf dem Areal der einstigen Gärten des Lukull, nur wenige Schritte von der Spanischen Treppe entfernt, waren zudem detaillierte Auflagen des Denkmalschutzes zu befolgen. 2003 dann wurde schließlich mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen, und man stieß auf das Nymphäum des römischen Feldherrn und Feinschmeckers Lucius Licinius Lucullus. Um 60 vor Christus hatte der römische Senator und Feldherr hier, in seiner berühmten Gartenanlage, seinen Reichtum und seine Freizeit genossen und jene ausschweifenden Gastmähler gegeben, für die er bis heute bekannt ist.

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Ihr Sascha Klupp

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